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UMU-Wirtschaftsumfrage:
Risse in der heilen Welt der
Konjunktur
kpf-jmo
-"Noch
ist die Wirtschaftslage im Mittelstand gut, aber es gibt Risse in der heilen
Welt der Hochkonjunktur",
erklärte UMU-Präsident Herrmann Sturm bei der Pressekonferenz der UMU in
München.
52,2
Prozent der Unternehmer sind derzeit zufrieden mit der Wirtschaftslage, 43,5
Prozent beurteilen die Lage als mäßig, nur 3,9 Prozent als schlecht. Die weitere
Entwicklung wird von den Mittelstandsunternehmern jedoch weniger positiv
gesehen. Das Klima kühlt sich ab. 44,9 Prozent rechnen mit einer
Verschlechterung der Wirtschaftslage. Die Investitionsneigung ist gesunken, von
72,1
Prozent im Vorjahr auf 63,4 Prozent. Die Ersatzinvestitionen stiegen zwar um 3,9
Prozentpunkte an, bei den Erweiterungsinvestitionen gab es aber gegenüber dem
Vorjahr einen Einbruch um 9 Prozentpunkte und auch die Rationalisierungs-
investitionen reduzierten sich um 3,7 Prozentpunkte auf 16,3 Prozent.
Wirtschaftslage
„Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind mit der wirtschaftlichen
Lage derzeit noch durchaus zufrieden. Diese Zufriedenheit ist so groß wie selten
in den letzten Jahren. Dennoch ist diese Aussage ambivalent, denn es zeigen sich
Risse in der heilen Welt der Hochkonjunktur“, erklärte UMU-Präsident Hermann
Sturm anlässlich der Jahrespressekonferenz der Union Mittelständischer
Unternehmen e.V. - UMU in München.
„Das Klima kühlt sich ab“, sagte Sturm. „Nur noch 7 Prozent glauben, dass sich
die Wirtschaftslage in den nächsten neun Monaten verbessern wird. 44,9 Prozent
erwarten dagegen eine Verschlechterung, nahezu gleich viele (46,5%) erwarten
keine weitere Änderung. Das wären an sich noch nicht unbedingt negative Signale,
aber der Stimmung entsprechend ist auch die Investitionsneigung gesunken, von
72,1 Prozent im Vorjahr auf heuer 63,4 Prozent.
Und auch bei den Investitionsarten haben sich Änderungen ergeben. Die
Ersatzinvestitionen stiegen zwar um 3,9 Prozentpunkte an, bei den
Erweiterungsinvestitionen gab es aber gegenüber dem Vorjahr einen Einbruch um
9,0 Prozentpunkte und auch die Rationalisierungsinvestitionen reduzierten sich
um 3,7 Prozentpunkte auf nunmehr 16,3 Prozent, erklärte Sturm.
Diese Tendenz schlägt sich auch in der Erwartung an die gesamtwirtschaftliche
Beschäftigungsentwicklung nieder. Nur noch 8,3 Prozent (40,1% i.V.) rechnen
damit, dass diese weiter steigen wird. Mehr als ein Viertel (28,2%) erwartet
gesamtwirtschaft- lich einen Rückgang der Beschäftigung.
Nicht so dramatisch sieht es der Mittelstand in seinen Unternehmen selbst. Hier
rechnen 15 Prozent mit einer steigenden Beschäftigung (19,6 Prozent planen
selbst Neuein- stellungen) und 75,7 Prozent glauben, dass diese gleich bleibt
(66,8% wollen selbst keine Änderung vornehmen). 13,3 Prozent planen aber auch
Einschränkungen, geringfügig mehr als im Vorjahr (12,7%). Etwa die Hälfte der
Unternehmer (47,8%) ist wohl zufrieden, genügend qualifizierte Arbeitskräfte zu
bekommen, die andere Hälfte (48,8%) beklagt sich, nicht genügend solche
Arbeitskräfte zu finden.
Politik und Wirtschaft:
Finanz- und
Steuerpolitik
Kritik des Mittelstandes gibt es an der Politik. Wir machen nach wie vor weiter
Schulden und in Sachen Regulierung der Finanzmärkte ist kaum etwas passiert.
Hier könnte Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen.
Obwohl die Koalition die für kleine Leistungsträger dringend notwendigen
Steuerent- lastungen für das Jahr 2013 beschlossen hat, wie im Koalitionsvertrag
auf Drängen von FDP und CSU festgelegt, fehlen die versprochene MwSt-Reform und
die seit Jahrzehn- ten überfällige Totalreform unseres Steuersystems à la Prof.
Kirchhof völlig. Der Mittel- stand wünscht sich zu 69,1 Prozent eine rasche
Reform des Steuersystems und ist nicht der Meinung, dass dieses „nur langsam
reformiert werden kann“.
„Neben einer neuen Finanzpolitik mit Ausgabensenkung brauchen wir in erster
Linie eine grundlegende Steuervereinfachung. Sie würde uns nichts kosten, aber
einen enormen Wachstumsimpuls bringen. Die Steuerpolitik ist auf dem geistigen
Stand von
1970 stehen geblieben. Danach wurden nur kosmetische Operationen vorgenommen“,
erklärte UMU-Präsident Sturm.
Sturm kritisierte heftig die Steuererhöhungsvorschläge der Opposition: „Linke,
rote und grüne Wagenknechte wollen durch Steuererhöhungen den Wagentreck des
deutschen Mittelstandes zum Kippen bringen, wenn nicht gar in den Abgrund
stürzen.“
Der Mittelstand will, dass Steuermehreinnahmen in erster Linie zum Schuldenabbau
(94,3%), für Investitionen in die Bildungspolitik und für
Infrastrukturinvestitionen verwendet werden sollen. Steuerentlastungen stehen
nach Wunsch der Unternehmer dabei an letzter Stelle.
Was die Reform der Steuergesetze angeht, sind 77,1 Prozent der antwortenden
Unternehmer der Meinung, dass durch die Einführung des Bundessteuergesetzbuches
von Prof. Kirchhof und der dort vorgesehenen Abschaffung von 33.000 Steuerregeln
ein
„Ruck durch die Wirtschaft“ gehen würde.
Alleine, wenn man die Vorschläge zur Mehrwertsteuer aus Prof. Kirchhofs
Bundessteuergesetzbuch umsetzen würde, würden dem Bund aus dem reduzierten
Umsatz- steuerbetrug 40 Milliarden Euro an Mehreinnahmen erwachsen.
Energiewende
Große Zustimmung gibt es zur Energiewende. Für 62,8 Prozent war diese notwendig.
Nur 35,9 Prozent sehen dadurch die Versorgungssicherheit gefährdet, gegenüber
46,8 Prozent, die das nicht erwarten. Allerdings sehen 67,4 Prozent durch höhere
Energiekosten aber auch einen Standortnachteil für Deutschland.
Arbeitsmarkt- und
Sozialpolitik
Was unser Sozialsystem betrifft, ist es weder dieser noch den früheren
Regierungen gelungen, dessen Finanzierung auf wirklich dauerhaft stabile Füße zu
stellen. Und dies trotz zahlreicher Reformen, so hat z.B. die Agenda 2010 den
Arbeitsmarkt flexibler gemacht und viele Arbeitslose wieder an den Arbeitsmarkt
herangeführt. Es fehlt die konsequente Nachhaltigkeit in der Sozialpolitik. Der
Mittelstand hat das erkannt und sieht politischen Handlungsbedarf neben der
Finanzpolitik vor allem in der Sozialpolitik.
Die Union hat sich bei der Einführung von Mindestlöhnen bewegt. Das scheint den
Mittelstand nicht zu stören, denn nur 18,9 Prozent wären offensichtlich von
deren Einführung betroffen (75,7% verneinen das). Nur 19,6% der Betroffenen sind
gegen Mindestlöhne, 26,2% sind dafür.
In einzelnen Branchen oder Unternehmen gibt es durchaus Argumente für die
Einführung eines Mindestlohns und es gibt auch Arbeitgeber, die keine fairen
Löhne bezahlen. Im Mittelstand ist dies aber nur selten der Fall, denn oft
besteht ein persönliches Verhältnis zu den Mitarbeitern. Einen generellen
Mindestlohn lehnen wir ab, denn für viele Kleinunternehmen kann er tödlich sein,
da die Ertragslage einfach nicht mehr hergibt. Ein Mindestlohn sollte, wenn
überhaupt, nur für Firmen z.B. ab 6 Mitarbeiter gelten, wenn keine sonstige
tarifliche Verpflichtung besteht. Jeder Eingriff des Gesetzgebers in die
Tarifautonomie ist ein Rückschritt in den Sozialismus. So ganz im Klaren
scheinen sich die Unternehmer hier aber nicht zu sein, denn 48,6% haben sich bei
der Beantwortung der Frage enthalten.
Befristete Arbeitsverhältnisse können das soziale Klima im Unternehmen, aber
auch in der Gesellschaft, belasten. 58,1 Prozent der mittelständischen
Unternehmer gaben an, in ihrem Betrieb keine befristeten Arbeitsverträge zu
haben, 29,6 Prozent haben unter
10%, 7,6 Prozent 10 bis 40% und 2,4 Prozent zu mehr als 50% befristete
Arbeitsverhältnisse.
Europa und der Euro
Die Solidarität mit hoch verschuldeten EURO-Ländern weist beim Mittelstand
Grenzen auf. Auch die weitgehend positive Begleitung der Politik der Strenge der
Kanzlerin leistet ihren Beitrag zu diesem Bewusstsein. Für viele gibt es derzeit
nicht genug Deutschland in Europa, zumindest in Form von nachhaltiger
Finanzpolitik, um ein stabiles europäi- sches Finanzsystem zu erhalten.
In dieses Muster passt, dass 93,4 Prozent der Unternehmer, in einer Rangreihe
von 1 bis 6 der Benotungen, die Note 1-3 für die Aussage gaben „Die Staaten
müssen sich selbst helfen“. Das zeigt, dass die europäische Solidarität und das
Verständnis für die Mentalitätsunterschiede in Europa Grenzen findet, während
sie sonst, wenn es um Urlaubserlebnisse geht, eher als positive Bereicherung
Europas gesehen werden.
Trotzdem ist der Mittelstand zu 55,8 Prozent der Meinung, dass Europa eine
Gemeinschaftswährung braucht. Eine Trennung in einen Nord- und einen Südverbund
des Euro (die Idee des ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel) wird zu 59,8
Prozent abgelehnt. 65,8 Prozent der Mittelständler sind aber der Meinung, dass
Staaten die ihren Schuldendienst nicht leisten können, aus dem EURO-Verbund
ausgeschlossen werden sollten. 65,8 Prozent sind der Meinung, dass der
Währungsunion eine politische Union folgen muss.
Der Kurs der Parteien
Bei der Frage „W ie beurteilen Sie den Kurs von CDU/CSU und FDP?“ ist die CDU
bei der Note „gut“ von 27,8% im Vorjahr auf 26,9% zurückgegangen. Weiter
gefallen ist trotz erheblichem Unterhaltungswert ihrer Politik die FDP, von 9,5%
im Vorjahr auf nunmehr 7,0%. Im Jahr 2009 war sie noch zu 52,6% mit „gut“
beurteilt worden.
Während die Regierungsparteien weiter abgewertet wurden, zeigt sich bei der
Opposition eine deutliche Besserung. Die SPD legte bei der Bewertung „gut“ von
4,6% im Vorjahr auf nunmehr 16% zu. Die Grünen machten dagegen nur 1/10 gut von
19,2% auf 19,3% und bauten ihre Negativbewertung von 37,7% auf 31,9% ab. Die
Linkspartei blieb bei 2,7% für die Note „gut“, ihre Negativbewertung baute sie
aber von 77,0% auf 75,7% ab.
Angesichts dieser Zahlen ist die Sehnsucht nach einer großen Koalition recht
groß. Immerhin 46,8 Prozent erwarten sich von ihr eine erfolgreichere Politik,
44,5% sehen das nicht so. Die Alternative einer rot-grünen Koalition wird mit
70,4% Nein-Stimmen abgelehnt.
Die Ergebnisse der gesamten Umfrage als pdf-Datei
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